Verdun 2022

 

Ein Reisebericht

 

Haymo Wimmershof

Wiesenweg 3

57462 Olpe-Eichhagen

Mail: Wimmershof.oe@freenet.de

 

 

Vor ca. 40 Jahren hatte ich zum ersten Mal mit ein paar Freunden eine Tour nach Verdun gemacht. Wir wollten uns die Schlachtfelder des ersten Weltkrieges und die Umgebung, über die damals noch oft im Fernsehen berichtet wurde, mal selber ansehen

Wir bekamen in der Zitadelle von Verdun dann die Anschrift eines Franzosen aus dessen Beständen ein Teil der dort ausgestellten Sammlung stammt. Als „Collectioneurs“ – historisch interessierte Sammler – wurden wir, wie man so sagt mit offenen Armen empfangen. Neben Informationsaustausch wurden wir dann auch zu einer Privattour in die Schlachtfelder eingeladen. Es ging über eine schmale Straße in den Bereich bei Froideterre. Nach einer Viertelstunde durch das Mücken-verseuchte Gelände kamen wir in ein Grant-Trichterfeld. Ich vergesse das nie – unser französischer Bekannter sprang in einen der Trichter und stocherte mit einem großen Messer in der Erde, fand nach ein paar Minuten den Messing-Zierrat einer preussischen Pickelhaube, gab in mir mit den Worten: „Cadeaux pour toi“ (Geschenk für dich).

Das Exemplar steht liegt noch bei mir im Arbeitszimmer im Regal.

Alles lange her, aber schöne Erinnerungen.

 

2022 wollte ich dann mal eine „Revival-Tour“ nach Verdun machen, was ich ansich schon länger vorhatte. Ich bin alleine gefahren, da ich meiner Frau eine Woche intensiv Schlachtfelder, Bunker und Museen nicht zumuten wollte.

 

Im Internet fand ich per Zufall die Seite „Verdun-Bilder.de“, was mich zusätzlich inspiriert hat. Die Orts- und Zufahrtsbeschreibungen sind detailliert und eine prima Basis für eine aktuelle Tour in die Region.

 

Ich habe die Strecke über Aachen, Verviers, E 25, Virton, Montmedy nach Verdun genommen. Das ist lt. Google-Maps die beste Route von Olpe aus, ca 387 km, Fahrtzeit um die 6 Stunden. Die Unterkunft im Hotel du Tigre fand ich im Internet bei Booking com.

 

Neben entsprechenden Informationen ist vor allem ein gute Karte nötig um die richten Stellen im Gelände zu finden. Da kann ich „Forets de Verdun et du Mort-Homme 3112 ET“ von IGN empfehlen. Die Angaben sind bis auf den Meter genau. Das ist unbedingt nötig um sich im zugewachsenen Gelände zurecht zu finden.

Eine weitere gute Karte ist „Verdun – Carte de la Premier Guerre mondiale, vier Karten in einer, Verdun, Argonnen und St- Mihiel, von „war-travel.com“. Gibt es im Tourist-Office in Verdun.

 

So ausgestattet reicht aber noch nicht. Man braucht entsprechende Kleidung, feste Schuhe und eine Lampe. Überall ist unebenes Gelände mit Steinen, Löchern, Dornengestrüpp und in den alten Forts ist es dunkel. Besonders alleine sollte man bei solchen Aktionen sehr vorsichtig sein und kein Risiko eingehen. Passiert an solchen Orten ein Unfall, war es das dann.

Für Sammler historischen Materials gibt es außerdem ein paar Dinge zu beachten. Vor allem in den letzten Jahren sind Leute mit Suchgeräten im Gelände unterwegs. Manchen geht es dabei nur um den schnellen Euro. Das Suchen ist illegal und wer erwischt wird bekommt Probleme mit der Gendarmerie oder der Forstverwaltung. Schon das Mitführen eines Suchgeräts im Auto ist nicht erlaubt.

 

Der Boden ist auch heute noch voll mit nicht detonierten Granaten aller Kaliber, darunter auch Geschosse, die mit Gas gefüllt sind. Dieses Material ist auch nach über 100 Jahren noch aktiv. Werden solche Exemplare bei Forstarbeiten gefunden, bekommen sie eine rote Farbmarkierung, damit der Kampfmittelräumdienst sie mitnehmen kann - und nur der, nicht etwa irgendwelche leichtsinnige Sammler.

 

Das sonstige damals liegengebliebene Militärmaterial hat schon direkt nach den Kampfhandlungen oft eine „Nachverwendung“ etwa bei den Bauern in der Umgebung gefunden. Es gab auch schon seit Generationen dort „Souvenirjäger“, was allgemein bis heute sehr verbreitet ist. Polierte Messinghülsen umgearbeitet als Blumenvasen finden sich verbreitet in Haushalten der Region und tauchen heute dann bei Trödlern oder auf Flohmärkten auf, sowie Dinge die von der Bevölkerung im Gelände aufgesammelt wurden. Das hat nie jemand gestört, eine normale Beschäftigung mancher Leute in der Region. Bei intakter Munition hört der Spaß allerdings auf. Dadurch hat es bei heute viele Unfälle gegeben.

Dagegen sind Granatsplitter und vor allem Bodenfragmente von Geschossen mit Kupfer-Führungsringen beliebtes Basis-Material für Aschenbecher oder Zierobjekte. So erwarb ich noch 2022 im Beinhaus Douaumont einen zum Aschenbecher umfunktionierten Boden einer französischen 75 mm Granate. Alles normal in Frankreich soweit.

 

Wer heute in den ehemaligen Kampfgebieten um Verdun auf den Wegen im Wald und auch abseits unterwegs ist, wird in der Regel oberflächlich nichts an losen Überbleibseln des Krieges mehr sehen. Schließlich waren schon Generationen Interessierter dort unterwegs. Dazu kommt die teils dichte Bodenvegetation und vor allem im Herbst auch loses Laub von den Bäumen. Je nach Gelände hat der Forst parallele Spuren von schweren Fahrzeugen hinterlassen. Dort mag in den aufgewühlten Fahrspuren das eine oder andere Kleinteil, in der Regel Granatsplitter, noch liegen. Aber auch da sind schon vorher Leute unterwegs gewesen.

 

Wer also historisches Material sucht, sollte sich bei Trödlern (Brocante) oder auf Flohmärkten in der Region umsehen. Die finden in der Regel sonntags statt. Dort angebotene Dinge zu kaufen, ist nicht verboten und ja Sinn solcher Märkte. Allerdings auch hier: Finger weg von Schusswaffen und aktiver Munition. So was taucht auch schon mal auf. Sogar verrostete Gewehre und Teile davon wie Läufe und Verschlüsse könnten in Deutschland Ärger mit der Polizei geben.

Die Franzosen sehen das lockerer. Bodenfund-Waffen, meist deutsche 98er und französische Lebel-Gewehre, bei denen die Schäfte nicht mehr vorhanden sind, trifft man häufig in Museen und auch bei Trödlern an. Niemand käme dort auf die Idee, dieses total verrostete Material heute noch als Waffe im eigentlichen Sinne anzusehen.

 

Überhaupt Thematik Bodenfunde: wie ich in Gesprächen in Verdun 2022 erfuhr, hat sich mittlerweile im Boden vieles an Material vor allem aus dünnem Metall durch Korrosion stark zersetzt. Davon ist in ein paar Jahren dann überhaupt nichts mehr übrig.

So fragt es sich, was sinnvoller ist, Bergen durch Suchen oder im Boden lassen mit der Folge des späteren Totalverlustes.

 

Montag 12.9.2022

Morgens im Dunkeln Ankunft in Verdun.  

 

Denkmal in der Stadt, beleuchtet in den Nationalfarben
Denkmal in der Stadt, beleuchtet in den Nationalfarben

 

Das Wetter ist prima - blauer Himmel. So habe ich an dem Tag Fotos erst mal Außenaufnahmen in Verdun und von den Sehenswürdigkeiten des Schlachtfelds gemacht. Essen ist ein Problem, im Hotel gibt es kein Restaurant, also McDonalds

 

Das Beinhaus auf dem Douaumont.
Das Beinhaus auf dem Douaumont.
Fort Douaumont – vor 40 Jahren noch undenkbar: neben der Trikolore auch die Fahne der Bundesrepublik Deutschland.
Fort Douaumont – vor 40 Jahren noch undenkbar: neben der Trikolore auch die Fahne der Bundesrepublik Deutschland.

Dienstag 13.9.2022

 

Wetter bedeckt, Besuch vom Museum Fleury, Fort Douamont, Beinhaus, Maginot Denkmal, Todesschlucht, dort alles zugewachsen, deshalb fast keine Spuren der Kämpfe mehr zu erkennen

 

Im neu gestalteten Museum bei Fleury. Der Boden besteht aus Glasplatten. Die Besucher laufen über die Nachbildung des Schlachtfeldes
Im neu gestalteten Museum bei Fleury. Der Boden besteht aus Glasplatten. Die Besucher laufen über die Nachbildung des Schlachtfeldes
In der Todesschlucht. Die Vegetation hat die Spuren der damaligen Kämpfe vollkommen überdeckt
In der Todesschlucht. Die Vegetation hat die Spuren der damaligen Kämpfe vollkommen überdeckt

 

Mittwoch 14.9.2022

 

Das Wetter geht so – Fahrt nach Varennes, Höhe 304 und Denkmal Mort Homme 

 

Denkmal Mort Homme
Denkmal Mort Homme

 

Rückweg nach Karte “Forets de Verdun et du Mort-Homme 3112 ET“ von IGN ein paar dort eingezeichnete Forts aus dem 19. Jahrhundert abgefahren:

 

1. Ouvrage de Charny (Privatbesitz), Zaun drumherum, Tor abgeschlossen, nichts zu sehen.

 

2. Fort de Marre, echt interessant, Militärgelände ohne Zaun, auf einer Anhöhe im dicht zugewachsenen Gelände, Eingangsgitter verschweißt. Das bedeutet, hier war seit langer Zeit niemand offiziell mehr drin. Ein Trampelpfad führt seitlich auf den ersten Ringwall, oben weiter und nach einer Weile hinten steil hinunter in das Fort. Innen sieht es aus wie in einer Filmkulisse. Es erinnert mich an die verfallenen Ruinen von Angkor Wat in Kambotscha, wo ich 1994 mal war.

 

 

 

3. Fort de la Chaume, Militärgelände, ich fahre unbewußt auf einer Militärstraße, halte an und suche auf der Karte nach dem Fort. Schließlich hält eine SUV des französischen Militärs neben mir. Mist, denke ich, jetzt gibt es Ärger. Ich schnappe mir die Karte, steige aus und gehe damit zu den beiden Soldaten. „Bonjour, je viens de Allemagne et recherche la Fort“ – Guten Tag, ich komme aus Deutschland und suche das Fort -, sage ich. Die beiden sind freundlich und in Ordnung – „La Fort est 200 Meter a droit. C’est ferme, fotos pas problem“. – Das Fort ist 200 Meter rechts, ist abgeschlossen, kein Problem, Fotos zu machen -, sagt der eine. Die beiden erklären mir noch wo ich das nächste Fort finde. Ist ja klasse hier in Frankreich.

 

 

4. Fort de Sardelles, ebenfalls Militärgelände, Fort verschlossen, äußerer Ring zugänglich, im Gitter zu den Eingang zu einem Versenkturm fehlen Stäbe, so dass man sich rein quetschen kann.  

 

Den Spuren nach waren da wohl öfters Besucher drin. Beim Rückweg durch das Gitter rutsche ich aus und falle rückwärts voll in die Brennnesseln. Zudem hatte ich mir vorher oben an dem Turm im Dornengestrüpp ordentlich den Arm aufgeritzt.

 

Da muss man durch bei solchen Aktionen.

Fort de Sardelles, MG-Versenkturm
Fort de Sardelles, MG-Versenkturm

 

Draußen neben der Schranke treffe ich die beiden Soldaten wieder. Anscheinend machen sie eine Kontrollfahrt im Militärgelände. „Hallo, vous avez trouvez la prochaine Fort.“ – Hallo, da haben Sie ja das nächste Fort gefunden -. Mein Arm blutet, sie fragen mich noch ob ich Verbandszeug brauche. „Merci, mais c’est rien“- Danke, das ist nichts, sage ich -.

Alles klar.

 

5. Ouvrage de Fromerville, Militärgelände, frei zugänglich, wird zu Zeit umgebaut. Es wird dunkel, also zurück ins Hotel.

 

Donnerstag 15.9.2022

Wetter nicht schlecht, erst Besuch der Ouvrage de la Falouse. Das Fort wurde an privat verkauft und ist nun als Museum wieder so hergestellt wie zu aktiven Zeit. Innen Puppen in Uniformen und schön rekonstruierte Einrichtungen, danach Innenbesichtigung des Forts Douaumont.

 

Am späten Nachmittag zur Ouvrage de Froideterre. Dort war ich vor 40 Jahren schon mal. Heute wie damals ist das Werk offen, man kann also hinein, nur die untere Etage ist nicht zugänglich. Oben auf der Anlage ist der Rasen gemäht, sieht alles ordentlich und gepflegt aus, obwohl keine Aufsicht da ist.

 

Ouvrage de la Falouse, nachgestellter Alltag im Fort
Ouvrage de la Falouse, nachgestellter Alltag im Fort
Im Fort Douaumont. Es ist total feucht, ausgewaschener Kalk bildet Tropfsteine
Im Fort Douaumont. Es ist total feucht, ausgewaschener Kalk bildet Tropfsteine

 

Freitag 16.9.2022

 

Wetter an sich gut, es ist kalt geworden. Fahrt zum Denkmal Montfaucon und Besuch des Museum

Romagne sur Montfaucon.

 

 

 

Museum Romagne sur Montfaucon, Außenbereich mit deutschen Grabenschildern
Museum Romagne sur Montfaucon, Außenbereich mit deutschen Grabenschildern

Dieses Museum ist wohl einmalig. Der Besitzer Herr de Vries ist Holländer, spricht Deutsch und hat seit über 40 Jahren alles aus der Gegend zusammen getragen, was an Material des ersten Weltkrieges dort liegengeblieben war. In einer umgebauten Scheune sind die verrosteten Objekte nun an allen Wänden im Fundzustand zu sehen. Dazu gibt es Treppen und Zwischenböden mit Auststellungstücken. Anfassen ausdrücklich erlaubt.

Sowas habe ich noch nie gesehen. Es ist praktisch der totale Gegenentwurf zu heutigen modernen Museen mit spärlichen Exponaten in Glasvitrinen und Multimedia. Irgendwie völlig aus der Zeit gefallen. Dann gibt es noch einen entsprechenden Außenbereich, eine Bar mit Tischen und Stühlen sowie einen Verkaufsbereich von überzähligen originalen Stücken aus dem ersten Weltkrieg. Klar, dass ich da auch was gekauft habe.

 

Samstag 17.9.2022

 

Wetter bedeckt, Besuch von Fort Vaux, danach Fort de Belrupt. Dort ist nun eine Paintball-Anlage drin. Die Leute lassen mich freundlich rein und Fotos machen. 

 

Paintball-Anlage im Fort de Belrupt
Paintball-Anlage im Fort de Belrupt

 

Sonntag 18.9.2022

Wetter gar nicht schlecht.

Flohmärkte sind angesagt. Die Infos habe ich mir vorher im Office de Tourisme in Verdun besorgt.

In einem Antik-Geschäft in Verdun hatte ich während der Vortage mehrfach interessante Objekte für meine Sammlung erstanden. Darunter auch einen sehr seltenen französichen Grabenpanzer, der im Brust- und Bauchbereich getragen wurdeCuirasse pare-balles Heslouin Louppe, modèle en deux parties“. Es ist das französische Pendant zu dem weit mehr bekannten deutschen Modell, welches aus vier beweglichen Teilen bestand und zwei große Schulterteile zum Überhängen hatte.

Der französische Grabenpanzer war im Bereich Tranchee de la Soif bei St. Mihiel gefunden worden. Das Gelände wollte ich mir ansehen und so verband ich das dann mit zwei Flohmärkten dort in der Nähe.

1 Trossey.

 

Ein großer Flohmarkt in einer kleinen Ortschaft. Mitten drin ein Privatstand mit vier Grabenschildern, Bodenfunde aus der Gegend um St. Mihiel. Da sie nur ein paar Euro kosteten mußte ich sie einfach mitnehmen. Ich war ja alleine in meinem Corsa, der nun ordentlich Straßenlage bekam. Reifendruck später in Verdun erhöht und gut war’s.

 

 

2. Rigny la Salle.

Ein kleiner Markt in einem Dorf nicht weit von dem ersten Markt.

 

Da stand an einer Wand genau so ein „Cuirasse pare-balles Heslouin Louppe, modèle en deux parties“ wie ich ihn vorher in Verdun bekommen hatte. Ich frage die Verkäuferin nach dem Preis – 15 Euro. Ich fasse es nicht, bezahle sofort und klemme mir das Stück unter den Arm.

 

Auf dem Rückweg dann Tranchee de la Soif bei St. Mihiel, wo dann dieses Exemplar wohl auch vorher gefunden wurde. Das Grabensystem ist gut erhalten und gepflegt, unbedingt zu empfehlen.

 

 

 

Zum Schluss kam ich auf der Rückfahrt nach Verdun noch bei Fort Troyon vorbei. War leider schon zu, es wurde ja auch schon dunkel. Ich denke, ein Besuch würde sich sicher lohnen, so wie die Anlage von außen aussieht.

 

Montag 19.9.2022

 

Rückfahrt über Metz, Saarbrücken und Frankfurt. In Metz noch die Stadt besichtigt, vorher in Gravelotte war des Museum zum Krieg 1870/71 montags leider geschlossen. Man kann nicht alles haben…

Bodenfunde aus der Region. Für ein paar Euro bekam ich bei Trödlern, im Museum Montfaucon und auf Flohmärkten eine Auswahl deutscher, französischer, amerikanischer und englischer Bajonette, die im ersten Weltkrieg in Frankreich verwendet wurden. Gerade de
Bodenfunde aus der Region. Für ein paar Euro bekam ich bei Trödlern, im Museum Montfaucon und auf Flohmärkten eine Auswahl deutscher, französischer, amerikanischer und englischer Bajonette, die im ersten Weltkrieg in Frankreich verwendet wurden. Gerade de

zurück     weiter