Meine erste Reise nach Verdun

 

September 2011


Von Matthias Engl


 

Mitte September 2011 hatte ich nach einer gefühlt endlosen Zeit Urlaub, und zum erstenmal in meinem Leben ging es mit dem Auto nach Verdun. Drei Tage Erkundungstour und zwei Tage Erholung im Hotel. Gewohnt haben wir (ein guter Freund hat mich begleitet) allerdings in Perl im Saarland, weil es dort für weniger Geld bessere Übernachtungsmöglichkeiten gibt als in Verdun selbst. Mit dem Auto war die tägliche Reise nach Verdun (ca 40 Minuten) überhaupt kein Problem.

 

Die erste Reise "rein" nach Verdun war für mich natürlich ganz besonders aufregend. Mein Freund war da (zunächst) noch relativ neutral. Er hatte im Gegensatz zu mir keine Bücher und Filme über den 1. WK verschlungen, aber natürlich habe ich sein Gedächtnis vor der Reise mit einer Geschichtsstunde aufgefrischt. Auf der Autobahn Richtung Verdun fielen mir natürlich die Hinweisschilder auf, die auf Kriegsschauplätze 1914-1918 hinwiesen. Das sind heute aber alles Ackerfelder und zu sehen (zumindest von der Autobahn) ist nichts. Meine Neugierde wurde immer größer: Inwieweit ist der erste Weltkrieg in und um Verdun noch gegenwärtig? Gibt es überhaupt noch Spuren? Durch unser großartiges Navi im Leihwagen hatten wir überhaupt keine Probleme, irgendein Monument oder eine Gegend  zu finden. Die Reise war dadurch sehr angenehm.

Unsere erste Station war das "Memorial de Verdun", das große Kriegsmuseum. Ich hätte dort Tage verbringen können! Kanonen, Flugzeuge, Stahlhelme, Pickelhauben, es gab nichts was es nicht gab. Mich interessiert besonders das Leben der Soldaten, deshalb war ich natürlich begeistert, als ich ein originales Spielemagazin "für den Schützengraben" oder eine Art Pflegeset für Soldaten gesehen habe, in denen man sein Rasierzeug und Seife aufbewahrt hat.

 

Ein Zufall war natürlich, daß zu der Zeit, in der ich in Verdun war, eine Ernst-Jünger-Ausstellung dort zu sehen war. Ich liebe und bewundere Ernst Jünger, durch sein Kriegstagebuch bin ich überhaupt erst dazu gekommen, mich wieder mit der Thematik zu befassen. Zu sehen war eine originale Uniform aus seinem Regiment  73, eine Originalausgabe seines Buches "Das Wäldchen 125" (das ich am liebsten gemopst hätte), sowie viele Fotos und Berichte.
Danach ging es mit dem Auto nach Fleury, eines der Dörfer, die völlig zerstört, aber nicht wieder aufgebaut wurden. Ein sehr berührender Moment. Man empfindet die Ruhe und den Frieden an diesem Ort besonders intensiv, wenn man bedenkt, was dort vor 90 Jahren los war. Die unglaublische Kraterlandschaft ist mittlerweile mit Wäldern bedeckt, aber die Einschläge der Granaten sind nicht zu übersehen.

 

Zerstörtes Dorf Fleury
Zerstörtes Dorf Fleury

Als vorletzte Station an diesem ersten Tag ging es zum Gebeinehaus. Leider wird der Turm derzeit restauriert und es befindet sich ein Gerüst herum. Im Innern sieht man auf großen Bildern viele Soldaten aller beteiligten Nationen, die sehr alt wurden und Fotos von sich aus der Zeit des 1.WK in die Kamera halten. Eine sehr schöne Idee! Der Friedhof vor dem Gebeinehaus vermittelt ein überwältigendes, trauriges Gefühl. Kreuze über Kreuze, wohin das Auge reicht.

 

Anschließend besuchten wir die "Reconstitution de Tranchee", ein Freilichtmuseum, das einen nachgestellten Schützengraben, viele Fundstücke, ein Posthaus und eine Krankenstation beinhaltet. Die Fundstücke rosten leider vor sich hin, weil sie scheinbar seit Jahrzehnten Wind und Wetter ausgesetzt sind. Hier gibt es auch an bestimmten Tagen im Monat Schauspieler, die für einen Tag in die Rolle eines Soldaten oder einer Krankenschwester schlüpfen.

Am zweiten Tag haben wie die Zitadelle von Verdun besucht. Hier lebten viele französische Soldaten, die sich von der Front erholt haben oder sich darauf vorbereiten mussten. Mit einem kleinen Auto fährt man durch die sehr kalte Zitadelle, man bekommt durch Videos, Geräusche oder Szenen mit Puppen das Leben in der Zitadelle nähergebracht. Man sieht eine Bäckerei, einen Speisesaal und Soldaten in Feldbetten. Man kann sich heutzutage nur schwer vorstellen, an einem so kalten und finsteren Ort längere Zeit verbringen zu müssen.

 

Fort Douaumont
Fort Douaumont

Danach ging es zum Fort Douaumont, auf das ich mich ganz besonders gefreut habe. Ich habe alles über das Fort gelesen, es war wie Magie, dann tatsächlich an diesem Ort zu sein. Mit einem digitalen Führer (so eine Art Ipod) kann man allein durch das Fort gehen. Mir fiel auf, daß durch die Feuchtigkeit das Fort mittlerweile zu einer Tropfsteinhöhle wird! Besonders ergreifend war natürlich die Gedenkstätte für die toten deutschen Soldaten, die bei der Explosion im Fort ihr Leben ließen und die noch immer eingemauert sind. Da ich manchmal nah am Wasser gebaut bin, muss ich sagen daß ich Tränen in den Augen hatte. Ich fand wunderbar, daß dort immer mit frischen Blumen und Kränzen der Toten gedacht wird.

 

Gedenkstelle der verunglückten deutschen Soldaten der Explosionskatastrophe am 8.Mai 1916
Gedenkstelle der verunglückten deutschen Soldaten der Explosionskatastrophe am 8.Mai 1916

 

 

Vauquois
Vauquois

Als letzte Station an diesem Tag sind wir nach Vauquois gefahren. Ich habe nicht damit gerechnet, daß die Reise dorthin eins der absoluten Highlights wird. Hier tobte der Minenkrieg. Ich hatte keine Vorstellung davon, was Minen anrichten können. Alles ist noch genauso, wie es 1918 verlassen wurde. Dort ist auch ein erhaltener deutscher Schützengraben. Ich wusste davon, aber er befand sich am Ende unseres Rundganges, so daß ich erst enttäuscht war. Ich war sehr glücklich, als wir ihn am Ende dann doch noch entdeckt haben. Er ist sogar begehbar! Ich wollte unbedingt wissen, wie hoch und breit so ein Graben ist, deshalb war es sehr schön, einmal hineinzugehen.

 

Minenkrater auf der Vauquoishöhe
Minenkrater auf der Vauquoishöhe
Höhe Toter Mann
Höhe Toter Mann

Am dritten Tag ging es zur Höhe Toter Mann (Mort Homme). Dort gibt es neben dem berühmten Denkmal des "Toten Mannes" ein weiteres, kleineres weißes Denkmal. Beeindruckend ist es, auf einem Foto in der Umgebung sehen zu können, wie die Gegend nach Aufstellung dieses Denkmales ausgesehen hat: Eine Mondlandschaft. Und an diesem Ort befindet sich heute dichter Wald. Die Natur holt sich alles zurück. Ein sehr schönes Gefühl.
Anschließend haben wir uns zwei deutsche Soldatenfriedhöfe ausgesucht, die wir besichtigen wollten: Consenvoye und Azannes II. Beide liegen direkt an der Straße. Ein sehr beklemmendes Gefühl. So viele Kreuze und Massengräber zu sehen, bewegt wirklich sehr. Leider habe ich weit und breit keine Blumenläden gesehen, aber zumindest konnte ich eine Kerze anzünden.
Wir hätten nicht gedacht, daß der Erste Weltkrieg in und um Verdun noch dermaßen präsent ist. Kein Wald ohne Kraterlandschaften, keine Ortschaft ohne Friedhof oder Gedenkstätte. Meine Erwartungen sind übertroffen worden. Es ist schön, daß die Toten nicht vergessen werden.
Ich habe mit meinem Freund schon sehr viele Reisen innerhalb Europas gemacht. Die Reise nach Verdun war komplett "auf meinem Mist gewachsen". Wie ich oben erwähnt habe, war mein Freund am Anfang eher neutral eingestellt. Auf dem Weg nach Hause sagte er mir, daß diese Reise die interessanteste und schönste war, die wir jemals gemacht haben. Und das ist doch nicht schlecht, oder?

 

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Aktualisiert:

Literaturtipps:

Das Magazin beinhaltet einen Artikel von Marcus Massing und Stephan Klink über die Panikforts von Verdun



Das große Verdun-Handbuch 

von Stephan Klink


Hier erhältlich (Bitte anklicken)


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Ein ganz persönlicherer Tipp:

Seit dem 15.09.13 erhältlich: Sommer in Fleury -  

Ein Roman von

Andreas Gaubatz 

Jan Erhartitsch

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Ein sehr empfehlenswertes Buch meiner guten Bekannten Susanne Dittrich

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"In dem Buch werden die 2013 entdeckten Aufzeichnungen des Autors veröffentlicht, der 1916 vor Verdun in Kriegsgefangenschaft geriet 

Seine detaillierten Einblicke in das Schicksal vieler hunderttausender Kriegsgefangener wurden von S. Janke mit 25 Abbildungen, Karten und Erläuterungen kenntnisreich ergänzt."

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Sehr empfehlenswert:

Das neue Buch von Wim Degrande

Hier erhältlich: 

Argonne 1418.be

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